Im Interview: Ansprüche als Blogger richtig durchsetzen

Ausbleibende Zahlungen für Kooperationen oder Werbung sind nicht nur ärgerlich und nervenaufreibend, sie können auch im schlimmsten Falle zu einem wirtschaftlichen Engpass führen. Wie die Erfahrung von Rechtsanwältin Nadja Wollangk zeigt, reicht eine Mahnung heutzutage leider nicht mehr aus, um die Forderungen gegenüber seinem Kooperationspartner (Schuldner) durchzusetzen.

Kooperationen eingehen ist der Wunsch eines jeden Bloggers. Aber wie verhalte ich mich, wenn der Kooperationspartner nicht zu seinen Absprachen steht?
Da die weit überwiegende Anzahl der Blogger die Verträge mit den Kooperationspartnern ausschließlich per Mail schließt, ist es unerlässlich, die wichtigsten Vertragsbedingungen und natürlich auch den Preis sowie den Zeitpunkt, wann dieser zu zahlen ist, in der E-Mail festzuhalten. Sollten die Absprachen ausnahmsweise telefonisch getroffen worden sein, kann ich jedem Blogger nur dringend raten, das was besprochen wurde, direkt nach dem Telefonat zusammenfassend in einer E-Mail an den Kooperationspartner zu schicken. Diese E-Mail bezeichnet man dann als kaufmännisches Bestätigungsschreiben, was jedoch nicht mit einer Auftragsbestätigung verwechselt werden darf. Dieses sogenannte kaufmännische Bestätigungsschreiben stellt dann den geschlossenen Vertrag dar, wenn der Kooperationspartner nicht unverzüglich, das heißt innerhalb weniger Tage, widerspricht.

Hält der Kooperationspartner sich nicht an seine Absprachen, sollte der Blogger ihn anschreiben, auffordern seine Absprache einzuhalten und zur Erfüllung eine Frist setzen. Je nachdem wie weit das Projekt bereits vorangeschritten ist, kann der Blogger ggf seine Arbeit verweigern oder vom Vertrag zurücktreten. Das bedarf aber immer einer Einzelfallprüfung und kann nicht pauschal beurteilt werden.

Bloggern, die mit ihren Kooperationspartnern bereits Negativerfahrungen gemacht haben, kann ich nur dringen raten, zukünftig nur noch gegen einen Vorschuss zu arbeiten. Dies könnte zwar einen Kooperationspartner abschrecken, aber keiner möchte umsonst arbeiten und wer die Absicht hat, den Blogger zu bezahlen, wird dies auch vorschussweise tun.

Wie verhalte ich mich, wenn mein Kooperationspartner nicht bezahlt?
Meine Erfahrung zeigt, dass viele Gläubiger viel zu lange warten und sich mit Ausreden der Schuldner hinhalten lassen, bevor sie die Begleichung ihrer Rechnung nachhaltig einfordern. Aber auch hier gilt „Zeit ist Geld“. Deshalb sollten Blogger offene Rechnungen nicht auf die lange Bank schieben, sondern zeitnah und vor allem nur einmal anmahnen. Die Mahnung ist wichtig, um den Kooperationspartner in Verzug zu setzen. Wurde eine zeitnahe Mahnung trotzdem einmal vergessen, kann dennoch Verzug eingetreten sein. Da sowohl Blogger als auch Kooperationspartner selbstständig sind, tritt 30 Tage nach Zugang der Rechnung beim Kooperationspartner automatisch Verzug ein.

Warum ist Verzug so wichtig?
Weil der Kooperationspartner nur im Verzug Verzugszinsen und die Verzugspauschale von 40,00 € zusätzlich zu dem Rechnungsbetrag zahlen muss. Mit den 40,00 € sind alle telefonischen und schriftlichen Aufwendungen abgegolten, die man hat, um seine offene Rechnung geltend zu machen. Zahlt der Kooperationspartner dennoch nicht, ist der Weg zum Rechtsanwalt frei. Denn wenn sich der Kooperationspartner im Verzug befindet, hat er auch die Kosten des Rechtsanwalts zu zahlen.

RAeNadjaWollangk2_1200px

Liebe Nadja, was empfiehlst du Bloggern und Selbstständigen, ihre Ansprüche gegenüber Schuldnern geltend zu machen?
Mahnt die Rechnung spätestens  11 Tage nach dem Zugang der Rechnung beim Kooperationspartner an und fordert ihn auf, die Rechnung binnen weiterer 7 Tage zu zahlen. Nach Ablauf der 7 Tage beantragt ihr entweder den Erlass einer Mahnbescheides oder übergebt die Sache einem Rechtsanwalt, der sich weiter um alles kümmert, damit ihr euch wieder um das Tagesgeschäft kümmern könnt.

Was müssen sie unbedingt beachten?
Die Mahnung muss als eindeutige Zahlungsaufforderung formuliert sein. Bitte keine Zahlungserinnerung schicken! Legt der Mahnung noch einmal die Rechnung bei, denn nicht selten wenden die Schuldner ein, dass sie die Rechnung nie bekommen haben. Kündigt bereits in der Mahnung gerichtliche Schritte an und haltet diese dann auch ein. Denn sowohl der lasche Umgang mit Mahnungen als auch mit der gerichtlichen Geltendmachung sprechen sich rum und ruinieren den Ruf zumindest dahingehend, dass man es mit dir ja machen kann, weil du eh nichts machst.

Außerdem solltet ihr euch überlegen, ob ihr mit säumigen Kooperationspartnern oder mit denjenigen mit schlechter Zahlungsmoral weiterhin zusammenarbeiten wollt.

JosephineSchulz_1200px

Ab wann sollten sie einen kompetenten Ansprechpartner wie dich kontaktieren?Spätestens, wenn der Kooperationspartner auf die Mahnung hin nicht gezahlt hat, sollte der Schuldner mich einbeziehen.

Gibt es einen Anspruch auf volle Erstattung der entstandenen Rechtsanwaltskosten?
Ja, wie bereits ausgeführt gibt es einen solchen Anspruch. Grundsätzlich muss ein Schuldner die Anwaltskosten immer dann zu 100%  tragen, wenn er die Rechnung nicht bezahlt, obwohl sie richtig und in der abgesprochenen Höhe gestellt wurde und Verzug eingetreten ist. Da ich in diesen Fällen meine Kosten immer nach dem sogenannten Rechtsanwaltsvergütungsgesetz abrechne, bekommt der Gläubiger grundsätzlich die ihm entstandenen Kosten in voller Höhe zurück.

Wie können dich unsere Blogger im Netz finden?
Eure Blogger können mich natürlich über mein Internetseite www.ra-wollangk.de und außerdem bei Facebook und Xing finden.

Photocredit: Rechtsanwältin Nadja Wollangk

5 Kommentare

  1. urbandivisionhh

    Man lernt gerade in dieser Thematik immer dazu und ich selbst bin mir oft nicht bewusst, was man vielleicht doch hätte „einklagen“ sollen. Empfehlung!

Kommentar verfassen